Hello my name is Cone The Weird

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Future-Retro-Flashism. Zeitlose, trippy Zeichnungen für ein besseres Reisen im hier und jetzt.

... in einem Hashtag?
#weirdextravaganza.

Wer oder was inspiriert dich?
Klingt abgedroschen, doch das Leben an sich scheint mir die größte Inspirationsquelle zu sein. Musik ist ein weiterer Faktor, der meine Arbeit maßgeblich beeinflusst. Sei es inhaltlich, konzeptuell oder in Form der Titel meiner Arbeiten. Visuell sind es so viele Quellen, die ich selbst nur noch schwer überschauen kann und mir, ehrlich gesagt, nur selten Gedanken dazu mache. Von Altmeistern der Malerei, Visualisierungen alter Hochkulturen, historische Bildbände, über Comic-Kultur, Graffiti-Legenden, (Fan-)Zines, Filme und Serien, Bücher, Menschen, Natur … Wahrscheinlich das Übliche.

Ich versuche weitestgehend von aktuellen Strömungen und zeitgenössischen Künstlern nur wenig zu konsumieren. Nicht, dass ich deren Arbeiten nicht für gut befinden und schätzen würde, im Gegenteil. Ich möchte einfach nicht groß durch sie inspiriert werden. Ich kaufe wenig Bücher und Magazine aus den Bereichen Graffiti und Urban Art, schaue wenig auf sozialen Medien und dergleichen. Ich suche Inspiration an Orten, die mit meinem Schaffen auf den ersten Blick kaum etwas zu tun haben.

Seit wann bist du als Künstler aktiv?
1993 habe ich mit Graffiti begonnen. Hinzu kamen über die Jahre andere Gestaltungsbereiche, durch die Arbeit als Zeichner, beispielsweise für Filmfirmen (ab 2000), meinem Studium im Kommunikationsdesign (bis 2009) und meine Selbstständigkeit als Designer (seit 2009). Seit 2010 bin ich als selbstständiger Künstler aktiv.

Bist du stilistisch angekommen oder verändert sich der Style und dein Ziel immer wieder?
Stagnation ist das Ende künstlerischen Lebens. Des Lebens an sich, könnte man sagen. Leben bedeutet Bewegung und Veränderung. Daher hoffe ich, dass ich nie an den Punkt gelangen werde, an dem ich mich vollends angekommen fühle. Dies ist, meiner Ansicht nach, essentiell um den inneren Drang zum Weiterkommen und Wachsen folgen zu können. Mein eigener Style hat sich nach und nach entwickelt. Dieser gedeiht und bekommt die Freiheit sich weiterzuentwickeln. Selbst wenn sich Dinge verändern, ich denke eine rote (hmmm … wohl eher schwarze) Linie, mein Style, ist in meinen Arbeiten dennoch erkennbar.

Bildanalyse von Cone The Weird zum Artwork für den Puma Suede Classic XXI – „suede from a copy shop“ (2020)

Der Puma Suede war tatsächlich mein erster Oldschool-Sneaker (ca. 1994 gekauft, als ich noch blutjunger Graffer und Hip Hop fan war). Nicht zuletzt deshalb habe ich mich direkt über die Kollaboration mit Puma gefreut. Ich habe zu dem schwarzweißen ein Artwork produziert. Passt perfekt, da ich generell sehr viel in Schwarzweiß arbeite. Für die technische Umsetzung war klar, dass ich, passend zu dem zeitlosen Sneaker, eine Mischtechnik aus analog und digital anwende (quasi Oldschool und Newschool). Black only, auf Weißem Papier. Teil eins ist die Originalzeichnung, Teil 2 die digitale „Kolorierung“. Ich wollte einen Copyshop-Style, also die Ästhetik alter Schwarzweiß-Kopien, erreichen. Früher wurden die Flyer und Plakate für Blockparties und Jams meist schwarzweiß in Copyshops vervielfacht. Die Körnung des Kopierresultats erinnert ein wenig an die Beschaffenheit von Wildleder, a.k.a. „Suede“.

Inhaltlich gibt es diverse (Meta-)Ebenen, Zitate und Hints. Der Suede ist ein Sinnbild für Hip Hop Kultur. Ich habe mich für eine Szenerie zweier B-Boys in einer nicht näher definierten Straße in New York entschieden. Brick Walls, typisch für die Bronx, Brooklyn, überhapt für NY, dem Epizentrum von Graffiti, Breakdance, usw.. Typisch für Wände, klar. Bricks sind allerdings auch Slangbegriff für Geldstapel/Geldbatzen. New York galt eben auch als Mekka des Kapitalismus.

Beide Character sind in crazy Posen am Representen, natürlich in all Puma (Sneaker, Trainingsanzüge) gestylt. Der kleine Suede in der Hand in der Mitte, spielt eben darauf an, dass es von Anfang an auch dazugehört hat modisch zu representen. Man hat nicht irgendwas getragen. Es muss funktional doch eben auch cool sein.

Der Wecker unten rechts ist ein wiederkehrender Character von mir. Natürlich steht er als Symbol für die Zeit. Die schlauchartigen Pfeile — sowohl Hommage an die Pfeile des Stylewritings im Graffiti, als auch weirde Uhrzeiger — schlängeln sich kreuz und quer durch das Bild und um die Figuren. Referenz als Anspielung auf Verstrickungen von zeitlich bedingten Begebenheiten, Rückblick, Voraussicht und Wiederkehrendes.

Es befinden sich Sprühdosen und Caps überall im Bild verteilt. Viele Akteure waren und sind nicht nur in einer „Disziplin“ aktiv. Die Prühdose links unten ist an eine „Sparvar“ angelehnt, eine der ersten Dosen mit denen ich Anfang der 90er zum Graffen begann. Diese wiederum hat ihr Design maßgeblich von den „Krylons“ aus den USA gebitet. Die meisten Caps sind „New York Fat/Skinny Caps“. Türlich.

Der „Cone The Weird“ Schriftblock oben rechts ist ein Zitat des Titels und Filmposters von „Beat Street“, einem Kultfilm und einer der ersten popkulurellen Quellen für Breakdance, Graffiti, Hip Hop Musik und Kultur. Es war etwas besonderes in den frühen 90ern, vor Internet und anderen medialen Publikationen, in denen Graffiti gezeigt wurde, Filme wie diesen oder auch „Wild Style“ zu sehen und erste Einblicke in diese Kultur zu bekommen.

Ganz unten links im Bilde ein simpel gestalteter Flyer einer Hip Hop Jam. Selbstverständlich findet man namhafte Vertreter aus den Bereichen DJing, MCing, Graffiti und Breakdance.

Musik spielt in meinem Leben eine enorm wichtige Rolle. Daher finden sich sehr oft in meinen Arbeiten musikalische Referenzen, sei es in Arbeitstiteln oder als Bildelemente. Hier finden sich vor allem zwei. Das „One Way“, bzw. hier „Or Another“, Straßenschild ist eines davon. Kombiniert man beides kommt man auf „One Way Or Another“ einem Burner von Blondie, aus dem Jahre 1979 (meinem Geburtsjahr). Ein super Partysong, bis heute. Zu den Anfangszeiten von Hip Hop wurde eben zu verschiedensten Genres gefeiert. Funk, Soul, Disco, Boogie, Rock, House, Weltmusik … alles geht, Hauptsache es groovt und macht Laune. Auf einer Metaebene betrachtet kann man sagen, dass eben nicht nur einen Weg („One Way“) im Leben gibt, sondern mindestens einen anderen („Or Another“), wenn nicht gar viele. Eine Anspielung auf die Subkuturen an sich. Do you own thing. Punk Attitude und Alternativen entgegen dem vorherrschenden Einheitsbrei. So habe ich Musik und Graffiti stets verstanden. Hab deinen eignen Style, bite nicht, mach keinen Scheiß, und wenn, dann nur coolen, und vor allem: Habe Spaß.

Die zweite musikalische Referenz findet sich im Bildzentrum. Ein gewisser „Joe Moks“ hat klein auf dem Brick-Ghettoblaster unterschrieben. Größer getaggt findet man „Boys and Gals“. „Boys and Girls“ von Joe Moks aus Nigeria ist ein weiterer All-Time-Classic-Party-Track, den ich liebe und der ebenfalls aus dem Jahre 1979 stammt. Eine Anspielung darauf, wie breitgefächert der musikalische Horizont damals schon war und eben die Message gleichberechtigter Partykultur. Überhaupt schien es in den Anfangszeiten viel mehr Frauen im Rap, Breakdance, Graffiti (und überhaupt Partymachen) gegeben zu haben, als es in den darauffolgenden Dekaden den Anschein machte. Mittlerweile scheint es wieder ausgewogener zu werden, was eine schöne Entwicklung ist.

Die Sticker auf dem Ampel-/Straßenschilderpfahl links sind weitere politische Hints. 1312, eine Code der für das weltweit häufig verwendete „ACAB“ steht, steht für den ständigen Ärger und Diskriminierung zwischen den Subkulturen und der Staatsgewalt. Dieses leidige Thema zieht sich traurigerweise bis ins Heute. Ob im Kontext „illegaler“ (Block)Parties, Graffiti, expliziten Inhalten im Rap oder rassistisch/diskriminierend motivierten Handlungen der Polizei. Darüber klebt ein „We All Are Equal“ Sticker. Schließlich sind wir alle Mensch.

Die Handgestaltung als Special Give-away – „the helping hand“ (2020)

Auch bei der von mir gestalteten Hand wurde in Schwarzweiß gearbeitet. Ein Satz, über den ich sehr früh in der Hip Hop Kultur gestolpert bin, lautet „Each one teach one.“ Eine feine Devise, wie ich finde. Ich habe eine Art mystische Hand gestaltet, Typo only, die helfende Lebensweisheiten vermittelt und Denkanstöße bieten kann. Street Wisdom eben. Mich faszinieren Dinge wie Handlesen und allgemein spirituelle Themen. Auf manche Dinge bin ich sowohl durch Graffiti, als auch Lyrics von Hip Hop Tracks gestoßen. Andere wiederum findet man einfach im Laufe des Lebens. Es sind allgemeingültige Worte, die einem dienlich sein können. Wem das zuviel des Guten ist, der kann es als eine einfach nur stylische Mystic Hand betrachten. Als private Reliquie, bestens geeignet für den hauseigenen Schrein (a.k.a. der Schreibtisch), wo die Magie geschieht.


Puma Suede Classic XXI